Tauziehen um die Weserburg: Weichenstellung für Gewinner und Verlierer?

Bremen, 9.5.2014

Schon wieder wird ein neuer Standort für das Museum Weserburg geprüft, diskutiert, geplant und berechnet. Partner ist diesmal der Kunstverein/die Kunsthalle, Standort die Wallanlagen und sowohl die GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst sowie das Zentrum für Künstlerpublikationen sollen diesmal mit bedacht werden.

Vordergründig geht es um Kooperation, Synergieeffekte und Einsparungen. Begriffe aus dem Vokabular der Finanzwelt und Verwaltung. Kulturpolitisch stellen sich aber ganz andere Fragen. Warum wird das Ensemble in der Weserburg mit dem Museum, der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst und dem Zentrum für Künstlerpublikationen nicht gestärkt und auf einem Weg zu dem Zentrum für Gegenwartskunst in Bremen unterstützt?

Das Zentrum für Künstlerpublikationen bemüht sich schon jetzt um weitere Drittmittel und könnte als eigenständige Bundes-Stiftung seinen international hervorragenden Ruf (so ein Gutachten von Prof. Herzogenrath) festigen und ausbauen. Die GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst hat über Jahrzehnte und durch viele gewonnene Auszeichnungen bewiesen, dass sie ein spannendes und finanzierbares Programm am Puls der Zeit machen kann. Das Museum wird sich verkleinern und ist auf dem Weg der Konsolidierung seiner Betriebskosten.

Auch bei einem Umbau der Immobilie Weserburg kann eingespart werden. Mittel für den Umbau sind durch die Bilderverkäufe vorhanden. Die Sanierung der Hülle, vor allem der Fundamente, die durch die Gezeiten der Weser Schäden nehmen, liegt bei 2 Millionen. Die Schäden sind seit Jahren von Bremen Immobilien, die dafür zuständig sind, kartiert, berechnet und zurück gestellt.

Alle Nutzer zusammen sind bereit, durch ihr Programm und hausinterne Kooperationen ein hochrangiges Zentrum für Gegenwartskunst in Bremen zu entwickeln, das den Dialog mit anderen Kunstinstitutionen in Bremen und außerhalb pflegt. Dafür lohnt es, alle Energie aufzubringen.

Warum wird all dies durch die neue Standortdiskussionen in Frage gestellt und blockiert?
Mit einem neuen Standort würde die Immobilie Weserburg für einen Investor frei von Nutzern gemacht. In den Wallanlagen würde aus den Mitteln der Bilderverkäufe und dem Verkauf der Weserburg eine Ausstellungshalle entstehen. Und natürlich wird – wie verlautet – an die GAK und das Zentrum für Künstlerpublikationen gedacht. Gedacht ja, aber wie? Falls der Neubau nicht sehr viel größer werden soll, sind dann für beide die Kellerräume im Wilhelm Wagenfeld Haus vorgesehen? Beide Institutionen müssten sich in diesem Fall so stark einschränken, dass sie weder den Standard halten, noch ihre Aufgaben realisieren könnten. Mit einem Strich wäre ein herausragender Ruf und die Aufbauarbeit von Jahrzehnten zunichte gemacht.

Ende des Jahres soll die Kulturdeputation über den Standort entscheiden. Bis danach das neue Gebäude in den Wallanlagen steht, böte sich die eigentliche Einsparung an, denn dann steht der Interimsdirektor des Museum Weserburg kurz vor der Rente. Wenn er geht, könnte der Direktor der Kunsthalle zuständig für zwei Häuser werden und der Kunstverein bekäme möglicherweise eine Ausstellungshalle und eine Kunstsammlung als Morgengabe?

Wer sind die Verlierer?
Das Museum Weserburg, die GAK, das Zentrum für Künstlerpublikationen… und vor allem die Bremer Kulturlandschaft, also die Bürgerinnen und Bürger. Der Teerhof würde weiter privatisiert, die Wallanlagen weiter verbaut und die Vielfalt von Kunst und Kultur, die sich der Kultursenator Jens Böhrnsen und seine Staatsrätin Carmen Emigholz doch öffentlich auf die Fahne geschrieben haben, durch die Aufgabenhäufung bei der Kunsthalle weiter eingeschränkt. An Gegenwartskunst zu sehen wäre dann die Auswahl einer einzigen Institution und nicht mehr die von drei weiteren mit eigenständigem Profil und Konzepten.

Und wer sind die Gewinner?
Der Kunstverein mit der Kunsthalle und der Käufer der Immobilie auf dem Teerhof.

Das Tauziehen muss ein Ende haben. In den letzten Jahrzehnten haben die drei an dem historisch gewachsenen Ort der Weserburg für Bremen den Anschluss an die nationale und internationale Kunstlandschaft hergestellt. Diesen Ort gilt es zu erhalten, zu stärken und kreativ weiter zu entwickeln.
Dafür setzen wir uns ein.

Für die Initiative Weserburg Hanne Zech und Knut Nievers
initiative-weserburg@gmx.de