Stellungnahme Deecke zu Weserburg Initiative

Berlin 9.5.2014

Sehr geehrte Frau Zech,
sehr geehrte Herr Nievers,

ich unterstütze ausdrücklich die von der Initiative Weserburg veröffentlichte Stellungsnahme auf der Seite der GAK!

Wenn schon die Weserburg unter Carsten Ahrens zwei der Bilder aus der Überlassung der Sammlung der ‘Stiftung-Ludwig-Roselius-Museum’ verkauft hat, was nach meiner Meinung den Stiftungsgedanken sowohl der ‘Stiftung Weserburg’ als auch der des Schenkers widerspricht, dann sollten diese Finanzmittel wenigstens dazu verwendet werden, die Weserburg zu sanieren als auch für konsolidierende Erwerbungen des ‘Zentrums für Künstlerpublikationen’ bereitstehen.

Ich sehe die Weserburg wieder auf einem gutem Wege der Konsolidierung nach Jahren der Provinzialisierung und Stagnation. Dazu aber brauchen die Weserburg und das Zentrum für Künstlerpublikationen Zeit und kreative Ruhe, ohne von der Politik und womöglich auch Immobilieninvestoren durch ständig neue und zudem auch noch wechselnde Planspiele gestört zu werden. Die Gesellschaft für aktuelle Kunst (GAK), die diese Stagnation wahrlich nicht mit verantwortete, wird außerdem zum Leidtragenden einer Rückwärtsbewegung der Kulturpolitik.

Dass die einst mit der Weserburg kollegial befreundete Kunsthalle Bremen (angesichts der Aussicht auf einige Millionen aus dem Verkäufen) dabei mitspielt, sehe ich als Zeichen der Schwäche der Kunstszene Bremens gegenüber der Politik. Aus der Vielfalt – einst symbolisch unter gemeinsamen Kürzel der “Bremer 5 +” (die Bremer Kunstinstitute) vereint – soll wieder der alte Zustand werden: Ein Kunstmuseum, ein Kunstverein und nicht mehr!

Bremen fehlt der Wille, das einmal mutige Konzept einer Vielfalt der Museumsszene zu bewahren und – was noch wichtiger wäre – weiter zu entwickeln.

Das ist schade!

Thomas Deecke

 

Tauziehen um die Weserburg: Weichenstellung für Gewinner und Verlierer?

Bremen, 9.5.2014

Schon wieder wird ein neuer Standort für das Museum Weserburg geprüft, diskutiert, geplant und berechnet. Partner ist diesmal der Kunstverein/die Kunsthalle, Standort die Wallanlagen und sowohl die GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst sowie das Zentrum für Künstlerpublikationen sollen diesmal mit bedacht werden.

Vordergründig geht es um Kooperation, Synergieeffekte und Einsparungen. Begriffe aus dem Vokabular der Finanzwelt und Verwaltung. Kulturpolitisch stellen sich aber ganz andere Fragen. Warum wird das Ensemble in der Weserburg mit dem Museum, der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst und dem Zentrum für Künstlerpublikationen nicht gestärkt und auf einem Weg zu dem Zentrum für Gegenwartskunst in Bremen unterstützt?

Das Zentrum für Künstlerpublikationen bemüht sich schon jetzt um weitere Drittmittel und könnte als eigenständige Bundes-Stiftung seinen international hervorragenden Ruf (so ein Gutachten von Prof. Herzogenrath) festigen und ausbauen. Die GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst hat über Jahrzehnte und durch viele gewonnene Auszeichnungen bewiesen, dass sie ein spannendes und finanzierbares Programm am Puls der Zeit machen kann. Das Museum wird sich verkleinern und ist auf dem Weg der Konsolidierung seiner Betriebskosten.

Auch bei einem Umbau der Immobilie Weserburg kann eingespart werden. Mittel für den Umbau sind durch die Bilderverkäufe vorhanden. Die Sanierung der Hülle, vor allem der Fundamente, die durch die Gezeiten der Weser Schäden nehmen, liegt bei 2 Millionen. Die Schäden sind seit Jahren von Bremen Immobilien, die dafür zuständig sind, kartiert, berechnet und zurück gestellt.

Alle Nutzer zusammen sind bereit, durch ihr Programm und hausinterne Kooperationen ein hochrangiges Zentrum für Gegenwartskunst in Bremen zu entwickeln, das den Dialog mit anderen Kunstinstitutionen in Bremen und außerhalb pflegt. Dafür lohnt es, alle Energie aufzubringen.

Warum wird all dies durch die neue Standortdiskussionen in Frage gestellt und blockiert?
Mit einem neuen Standort würde die Immobilie Weserburg für einen Investor frei von Nutzern gemacht. In den Wallanlagen würde aus den Mitteln der Bilderverkäufe und dem Verkauf der Weserburg eine Ausstellungshalle entstehen. Und natürlich wird – wie verlautet – an die GAK und das Zentrum für Künstlerpublikationen gedacht. Gedacht ja, aber wie? Falls der Neubau nicht sehr viel größer werden soll, sind dann für beide die Kellerräume im Wilhelm Wagenfeld Haus vorgesehen? Beide Institutionen müssten sich in diesem Fall so stark einschränken, dass sie weder den Standard halten, noch ihre Aufgaben realisieren könnten. Mit einem Strich wäre ein herausragender Ruf und die Aufbauarbeit von Jahrzehnten zunichte gemacht.

Ende des Jahres soll die Kulturdeputation über den Standort entscheiden. Bis danach das neue Gebäude in den Wallanlagen steht, böte sich die eigentliche Einsparung an, denn dann steht der Interimsdirektor des Museum Weserburg kurz vor der Rente. Wenn er geht, könnte der Direktor der Kunsthalle zuständig für zwei Häuser werden und der Kunstverein bekäme möglicherweise eine Ausstellungshalle und eine Kunstsammlung als Morgengabe?

Wer sind die Verlierer?
Das Museum Weserburg, die GAK, das Zentrum für Künstlerpublikationen… und vor allem die Bremer Kulturlandschaft, also die Bürgerinnen und Bürger. Der Teerhof würde weiter privatisiert, die Wallanlagen weiter verbaut und die Vielfalt von Kunst und Kultur, die sich der Kultursenator Jens Böhrnsen und seine Staatsrätin Carmen Emigholz doch öffentlich auf die Fahne geschrieben haben, durch die Aufgabenhäufung bei der Kunsthalle weiter eingeschränkt. An Gegenwartskunst zu sehen wäre dann die Auswahl einer einzigen Institution und nicht mehr die von drei weiteren mit eigenständigem Profil und Konzepten.

Und wer sind die Gewinner?
Der Kunstverein mit der Kunsthalle und der Käufer der Immobilie auf dem Teerhof.

Das Tauziehen muss ein Ende haben. In den letzten Jahrzehnten haben die drei an dem historisch gewachsenen Ort der Weserburg für Bremen den Anschluss an die nationale und internationale Kunstlandschaft hergestellt. Diesen Ort gilt es zu erhalten, zu stärken und kreativ weiter zu entwickeln.
Dafür setzen wir uns ein.

Für die Initiative Weserburg Hanne Zech und Knut Nievers
initiative-weserburg@gmx.de

 

Betriebsrat fordert Autonomie der Weserburg

Die jüngste Berichterstattung zur Weserburg in Presse und Fernsehen (Weser Kurier, 20.11.2013, Radio Bremen, buten un binnen, 19.11.2013,) veranlassen den Betriebsrat des Weserburg Museums zu folgender Stellungnahme:

Der Betriebsrat spricht sich für die Beibehaltung des Standortes der Weserburg auf dem Teerhof aus – ein einmaliger und besonderer Standort für die Präsentation für Gegenwartskunst, der durch nichts zu ersetzen ist. Eine Angliederung an die Kunsthalle Bremen lehnt der Betriebsrat ab, ebenso eine Ausstellungshalle für Gegenwartskunst in räumlicher Nähe zur Kunsthalle. Es macht auch keinen Sinn, eine Debatte über eine Zusammenführung anzustoßen, wenn vorher nicht geklärt ist, inwieweit dies aufgrund der unterschiedlichen Trägerstrukturen (Kunsthalle: Verein / Weserburg: Stiftung privaten Rechts) überhaupt möglich ist.

Der Betriebsrat ist erstaunt und überrascht und fühlt sich überrollt, was die Gedankenspiele des Kulturressorts, der Kunsthalle und des Stiftungsratsvorsitzenden der Weserburg betrifft. Mehr zufällig erfuhr er von der Existenz einer Deputationsvorlage, in der der Senator für Kultur die Weserburg und die Kunsthalle auffordert, gemeinsam auszuloten, inwieweit beide Institutionen miteinander verbunden werden können.

Den Betriebsrat verwundert nun der plötzliche Umschwung seitens des Stiftungsratsvorsitzenden. Einerseits sind aktuell immer noch Machbarkeitsstudien für einen Umbau auf dem Teerhof in Auftrag, andererseits äußert sich Klaus Sondergeld öffentlich zu einer Zusammenführung der Kunsthalle mit der Weserburg – und scheint diese Lösung sogar zu bevorzugen („Es gibt keine Tabus“). Verhält sich Sondergeld noch im Sinn der Aufrechterhaltung der Stiftung, wenn Kuratoren, Restaurator, Registrar, Pressereferent, Haustechniker unter Aufsicht des Kunsthallendirektors gestellt werden? Wir fordern Klaus Sondergeld auf, statt sich an Spekulationen für eine Zusammenführung mit der Kunsthalle zu beteiligen, die der Stiftungssatzung widersprechen, sich mit aller Kraft für die Autonomie der Weserburg einzusetzen. Er erwartet von ihm, die in der Stiftungsurkunde formulierten Verpflichtungen zu erfüllen, was auch bedeuten würde, dass er die Bereitstellung ausreichender finanzieller Mittel seitens der Stadt Bremen anmahnt und einfordert („Der Stifter – Die Freie Hansestadt Bremen – verpflichtet sich, [...] die für die Erfüllung des Stiftungszwecks erforderlichen Mittel nach Maßgabe des Wirtschaftsplanes aufzubringen und dafür die notwendigen laufenden sächlichen Bewirtschaftungskosten und die Personalkosten des Museums [...] zu tragen, wobei diese Verpflichtung sich [...] entsprechend den jeweiligen Bedürfnissen des Museums in den Folgejahren bemisst.“). Anders gesagt: Dem Weserburg Museum stehen satzungsgemäß wesentlich mehr Zuwendungen zu als es bislang der Fall war.

Was den Umbau der Weserburg betrifft ist festzuhalten, dass bis jetzt immer noch keine verlässlichen Zahlen zu den Baukosten vorliegen – obwohl man sich seit etwa zwei Jahren mit dem Umbau ebenso intensiv beschäftigt hat wie mit den Planspielen eines Neubaus. Von einem finanziell zu aufwändigen Umbau würde der Betriebsrat abraten und stattdessen die preisgünstigere Variante einer sorgfältigen Sanierung empfehlen.

Dringlich ist auch die Frage der Nachfolge des im Juni 2013 ausgeschiedenen Direktors zu klären. Eine direktorenlose Zeit bis zum Frühjahr 2015 kann ernsthaft nicht gewollt sein.

Mit freundlichen Grüßen

Dietrich Reusche

- Betriebsrat -

Pressemitteilung vom 10. Juni 2013

Kurzmitteilung

Bremen, 10. Juni 2013

“Carsten Ahrens, Direktor der Weserburg, den Vorsitzenden des Stiftungsrates, Herrn Dr. Klaus Sondergeld, gebeten hat, über die Möglichkeiten einer Aufhebung seines Vertrages zu verhandeln. Im gegenseitigen Einvernehmen wurde Carsten Ahrens im Rahmen einer diesbezüglichen Vereinbarung bis zu einer endgültigen Klärung von seinen Aufgaben als Direktor der Weserburg frei gestellt.”

Brief von Mitgliedern des Forschungsverbunds für Künstlerpublikationen des Museums Weserburg Bremen

an

Herrn
Jens Böhrnsen
Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen
Kultursenator
Rathaus
Am Markt 21
28195 Bremen

Studienzentrum für Künstlerpublikationen: Forschungsmuseum in Gefahr

Sehr geehrter Kultursenator
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Böhrnsen,

in der aktuellen Diskussion um die Zukunft des von Dr. Anne Thurmann-Jajes geleiteten Studienzentrums für Künstlerpublikationen wenden wir uns besorgt an Sie. Durch unsere Tätigkeit stehen wir in engem Kontakt mit dem Studienzentrum und können Ihnen Einblicke schildern, die in den offiziellen Stellungnahmen der Museumsleitung Weserburg nicht unbedingt auftauchen.

Die Unterzeichnenden sind allesamt Mitglieder des Forschungsverbunds Künstlerpublikationen, einer Vereinigung von Wissenschaftlern verschiedener Hochschulen und dem Feld der Künstlerpublikationen verbundenen Personen aus Bremen, Köln, Berlin, Hannover und weiteren Städten. Die einzigartigen Sammlungsbestände des Studienzentrums bilden den Fokus unseres wissenschaftlichen Ansatzes. Mit Studierenden sichten und nutzen wir die Bestände vor Ort, in internationalen Symposien und Publikationen eröffnen sich erhellende Ansätze zur Erforschung und zur Vermittlung eines bisher viel zu wenig beachteten Feldes der Kunstgeschichte. Ausstellungen sind dabei ein zentraler Faktor der aufarbeitenden Forschung, nicht zuletzt im Hinblick auf eine interessierte Öffentlichkeit. Die Universität Bremen ist neben dem Museum für moderne Kunst schon jetzt Mitträgerin des Studienzentrums.

Herr Carsten Ahrens, Direktor des Museums Weserburg, ist ebenfalls Mitglied im Forschungsverbund. Allerdings haben wir ihn auf unserer letzten, im November 2012 stattfindenden Mitgliederversammlung gerade angesichts der schon zu jener Zeit laufenden Standortdebatte vermisst. Anne Thurmann-Jajes informierte die Mitglieder auf dieser Sitzung über das, was ihr Museumsleitung und Stiftungsratsvorsitzender seit September 2012 deutlich sagten – nämlich dass das Museum plane, die Finanzierung des Studienzentrums 2014 einzustellen. In den Raumplanungen eines Um- oder Neubaus seien keine Räumlichkeiten für das Studienzentrum vorgesehen. (Ein Widerspruch zu dem entsprechenden Protokoll erreichte uns nicht).

Mittlerweile betont die Museumsleitung nach außen, dass es keine Pläne gebe, das Studienzentrum „abzustoßen“. Man gehe davon aus, dass es wie bisher Teil der Weserburg bliebe. Eine eigene Stimme wird dem Studienzentrum dabei zunehmend verwehrt, da es ja „eine Abteilung“ der Weserburg sei. Rein rechtlich mag das so sein, de facto ist es aber neben dem Museum für moderne Kunst stets die zweite wesentliche Säule des Hauses gewesen, mit einer quasi eigenen Infrastruktur, mit einem eigenen Ausstellungsprogramm, mit einer eigenen Ausrichtung und nicht zuletzt seit Gründung 1999 mit der Leiterin Anne Thurmann-Jajes, der es über Jahre gelungen ist, mit rund einer Million an eingeworbenen Drittmitteln die Arbeit des Studienzentrums zu sichern und voranzubringen. Das in Bremen ansässige Studienzentrum hat ein europaweites, wenn  nicht weltweites Alleinstellungsmerkmal!

Die gegenwärtigen Äußerungen der Museumsleitung können wir nur als durchsichtige Beschwichtigungstaktik werten. Nach dem Wegfall der mäzenatischen Zuwendung wird das Haus vor enormen finanziellen Problemen stehen. Bereits in diesem Jahr ist das mehr als deutlich. Alle weiteren geplanten Ausstellungen des Studienzentrums können nicht stattfinden. Gewachsene mehrjährige Kooperationen, wie z.B. mit dem Literaturfestival poetry on the road brechen somit ab. Weitere Ausstellungskooperationen anlässlich des deutsch-brasilianischen Jahres und des deutsch-russischen Jahres (mit der Universität Perm/Russland) sind ebenfalls nicht möglich. Also schon gegenwärtig ist die Grundfinanzierung des Studienzentrums – und dazu gehören eben auch Ausstellungsmittel – nicht mehr gewährleistet.

Frau Thurmann-Jajes hat ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis mit der Universität Bremen, der Hochschule für Künste und weiteren Institutionen aufgebaut. Sie ist sich der finanziellen Lage durchaus bewusst, hat aber Ideen, Visionen und Perspektiven, das Studienzentrum mit Hilfe verschiedener Kooperationspartner auf eigenständige Füße zu stellen. Der Anteil der städtischen Grundfinanzierung, der zurzeit über die Weserburg dem Studienzentrum zukommt, ist allerdings eine unerlässliche Basis für den sicheren Weiterbestand.

Die Zukunft des Studienzentrums kann nur mit dem Studienzentrum verhandelt werden! Wir setzen uns dafür ein, dass Frau Thurmann-Jajes in alle Gespräche diesbezüglich einbezogen wird. Nur mit der Unterstützung der Stadt Bremen kann es gelingen, alle Kooperations- und möglichen Finanzpartner an einen Tisch zu bringen und das Studienzentrum so aufzustellen, dass es auch in Zukunft seiner Verantwortung für die Sicherung von Kulturgut nach den internationalen Museumsrichtlinien und –standards gerecht werden kann: Als Forschungsmuseum, in dem Aufbewahrung, Ausstellung, Forschung und Vermittlung der Sammlung in angemessenen Räumen möglich sind.

Bitte setzten Sie sich in diesem Sinne für den unabhängigen Fortbestand der Einrichtung unter Leitung von Anne Thurmann-Jajes ein.

Mit freundlichen Grüßen,

Unterzeichner und Unterzeichnerinnen:

Prof. Dr. Immacolata Amodeo
Jacobs University Bremen

Prof. Dr. Thomas Deecke
Berlin

Prof. Dr. Ursula Frohne
Universität zu Köln

Dr. Annette Gilbert
Peter-Szondi-Institut / Freie Universität Berlin

Prof. Dr. Michael Glasmeier
Hochschule für Künste Bremen

Prof. Jean-François Guiton
Hochschule für Künste Bremen

Dr. Sabine Hänsgen
Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Katharina Hinsberg
Hochschule der Bildenden Künste Saar

Christian Katti
Köln

Jee-Hae Kim
Universität zu Köln

Cordelia Marten
Berlin

Tania Müller
Bielefeld

Prof. Dr. Irene Nierhaus
Universität Bremen

Prof. Dr. Maria Peters
Universität Bremen

Prof. Tania Prill
Hochschule für Künste Bremen

Dr. Kornelia Röder
Schwerin

Sarah Rothe
Universität Bremen

Prof. Dr. Sigrid Schade
Zürcher Hochschule der Künste

Mona Schieren
Hochschule für Künste Bremen

Prof. Dr. Wolfgang Schlott
Bremen

Guy Schraenen
Paris

PD Dr. Ruth Wöbkemeier
Universität Bremen

Antwort auf Carsten Ahrens

Liebe Museumsfreunde, liebe Freunde der Weserburg,

Ich mache mir Sorgen um die Weserburg! Sechs Jahre lang habe ich geschwiegen, weil ich der Meinung war, dass mein Nachfolger es schon auf seine Weise richtig machen würde. Leider hat Carsten Ahrens aber das eigentliche Konzept der Weserburg, das immer noch einzige Sammlermuseum in Europa zu führen, immer noch nicht verstanden. Die Weserburg ist inzwischen zu einem verwechselbaren, eher lokal ausgerichteten Kunstverein oder einer Kunsthalle geworden, von denen es viele in Deutschland gibt. Die Idee der Gründer – ich nenne nur Prof. Dr. Reinhard Hoffmann, den unvergessenen Dieter Opper und Eberhard Kulenkampff – war, ein unverwechselbares Museum neuen Typs mit Wirkungen nach buten un binnen neben der traditionellen Kunsthalle aufzubauen und keinen „dritten“ Kunstverein.

Um nicht missverstanden zu werden: Es geht mir nicht darum, das Modell der Gründer von 1988 ohne jede Veränderung wieder herstellen zu wollen – tempi passati – sondern darum, die Weserburg als SAMMLERMUSEUM weiter entwickelt zu sehen und den anderen, aktuelleren Konzepten heutiger Kunstsammler von zeitgenössischer Kunst angemessen sich mit der Kunst der eigene Zeit in einem Museum auseinander zu setzen.

Bremen kann sich die Weserburg nur leisten wollen, wenn sie ihre Einmaligkeit wieder erlangt und mit  „wagen un winnen“„buten un binnen“ auch über Bremen hinaus den Ruf der Kunststadt festigt.

Ich bin Carsten Ahrens deshalb dankbar, dass er sich die Mühe gemacht hat, alle seine Argumente zu Gegenwart und Zukunft des Museums Weserburg einmal ausführlich darzustellen. Das gibt mir die Gelegenheit, auf diese vielfältigen Hinweise einzugehen und meine Kritik daran zu formulieren. Um das Prozedere zu vereinfachen, zitiere ich jeweils die von mir kritisch kommentierten Absätze.

… Die Weserburg will und wird nicht erneut Werke aus ihrem Besitz verkaufen, um damit Finanzierungsprobleme zu lösen. Die Weserburg hat keine Finanzierungsprobleme. Mitarbeiter von Sotheby’s waren in der Weserburg, um bei der Taxierung von Werten einiger Kunstwerke zu helfen …

Das ist zuerst einmal erfreulich, dass keine weiteren Werke verkauft werden sollen. Nur fragt sich der Kenner, warum dann ein solche renommiertes Institut, wie Sotheby’s engagiert wird um – ja was eigentlich sonst? – die Werte der verbliebenen Kunstwerke festzustellen. Sotheby’s ist das bedeutendste Versteigerungshaus in London und New York, es bestimmt durch seine Tätigkeiten maßgeblich die Preise der Kunst auf dem Markt.

… Außerdem gibt es Überlegungen, einige Werke anderen Institutionen zur Verfügung zu stellen, in deren Sammlungskontext diese sinnvoller eingebettet wären…

Um die Kunstwerke vielleicht in andere Sammlungskonzepte einzubetten, braucht man dazu eine fachkundige Wertfeststellung? Da hätte man doch im Internet schlau machen oder auf die Versicherungswerte schauen können, die  die Kollegin Frau Lauster immer parat hat. Warum also Sotheby’s?

… Die vom Stiftungsrat der Weserburg seinerzeit getroffene Entscheidung, Werke aus der Sammlung Roselius zu veräußern und einen Großteil mit Hilfe eines Mäzens an die Kunsthalle zu transferieren, fußte auf dem grundsätzlichen Beschluss, sich auf die Gründungsidee der Weserburg als Sammlermuseum zurück zu besinnen und die eigene Sammlungstätigkeit aufzugeben.

Ich zitiere dazu aus der Präambel der Satzung der Stiftung Weserburg:

Die Stadtgemeinde Bremen möchte zusammen mit dem Kunstverein in Bremen der Öffentlichkeit wichtige Werke der zeitgenössischen Kunst in einem eigenen Museum zugänglich machen. Zu diesem Zwecke möchte die Stadtgemeinde Bremen das Gebäude „Weserburg“ als Museum errichten, in der bedeutende Kunstsammler ihre der Stiftung als Leihgaben zur Verfügung gestellten oder auch übereigneten Sammlungen oder maßgebliche Teile davon zeigen werden …

In der Satzung ist also expressis verbis davon die Rede, dass die Weserburg eine eigene Sammlung übereignet bekommen darf. Hätte es sonst einen Ankaufsetat in den ersten Jahren ihrer Existenz gegeben, wovon z.B. die „silbernen Schaukeln“ von Rebecca Horn erworben werden konnte?

Ist die Satzung inzwischen geändert worden?

… Von diesem Beschluss ausdrücklich ausgenommen wurden die Bestände des Studienzentrums für Künstlerpublikationen, bei denen es sich um über Jahre gewachsene und thematisch strukturierte umfassende Sammlungen handelt …

Ich zitiere dazu aus dem Protokoll der Mitgliederversammlung des „Forschungsverbundes Künstlerpublikationen“ vom 2.11.2012.

.. Anne Thurmann-Jajes berichtet über die aktuelle Situation des Studienzentrums für Künstlerpublikationen. Das Museum Weserburg möchte die Unterstützung des Studienzentrums Ende 2013 einstellen. Es ist geplant, das Studienzentrum ab 2014 eigenständig zu betreiben. Dazu müssen Möglichkeiten der Finanzierung und Unterbringung gefunden werden, um eine Bewahrung der Sammlung und deren Aufarbeitung zu gewährleisten.

Es besteht ein Interesse der Universität Bremen, das Studienzentrum als außeruniversitäres An-Institut anzugliedern, eine Vollfinanzierung kann jedoch nicht gewährleistet werden. Dabei wünscht die Universität eine Kooperation mit der Hochschule für Künste Bremen. Anne Thurmann-Jajes möchte das Studienzentrum als Forschungsmuseum profilieren. Wegen sinnfälliger Verbindung soll jedoch eine Verbindung zwischen dem Studienzentrum und dem Museum Weserburg erhalten bleiben. Anne Thurmann-Jajes strebt diesbezüglich Gespräche mit dem Museum Weserburg, dem Stiftungsrat des Museums, der Universität Bremen und der Hochschule für Künste an.

Guy Schraenen hatte erwartet, dass Carsten Ahrens anwesend sein wird und zu der Frage Stellung nehmen würde: Warum hat das Studienzentrum noch nicht den namhaften finanziellen Anteil aus den Verkäufen der Bilder erhalten, den Thomas Deecke bei seiner Zustimmung zu der Aktion zur Bedingung machte? (Entsprechende Brief-Kopien liegen Guy Schraenen vor).

Guy Schraenen hat das vielleicht etwas zu apodiktisch ausgedrückt. Aber soviel steht fest: Der Stiftungsrat hatte mir versprochen, Teile der Verkaufserlöse der Sammlung der Künstlerpublikationen zur Verfügung zu stellen!

Das ist bis heute nicht geschehen! Man hat mich also bewusst belogen um sich meines Schweigens zu den Verkäufen zu vergewissern! Dazu hätte ich als Mitglied der Museumsfreunde und des Forschungsverbundes gerne eine Antwort. Der Widerspruch zu der im Brief von Carsten Ahrens geäußerten Darstellung ist doch sehr offensichtlich! Eines kann nur stimmen!

… Bei den komplexen Fragestellungen, die mit den Vorhaben der Zukunft verbunden sind, versichern sich die Museumsleitung und der Stiftungsrat der Kompetenz und des Sachverstandes Dritter. Deshalb sind verschiedene Personen und Institutionen aktuell auf Honorarbasis …

Da man ja jetzt durch die Verkäufe der Sammlungen Stiftung-Ludwig-Roselius- Museum ja inzwischen genug Geld hat, kann man ja auch Verantwortung gegen  Gehalts-Zahlungen z.B. an einen ehem. Finanzstaatsrat auslagern. Man fragt sich allerdings: Wie haben das alle die 18 ersten Jahre der Weserburg (1988 – 2006) nur Hanne Zech und Thomas Deecke gemacht? Um es Ihnen zu verraten: Sie haben sich auf Rat des Stiftungsratvorsitzenden Prof. Dr. Reinhard Hoffmann der – kostenlosen – fachkundigen Mitarbeiter des Kultursenators bzw. der Staatskanzlei versichert. Ganz abgesehen davon, wusste daher die Behörde und ihre Leitung damals auch immer, wie es um die Finanzen der Weserburg stand und konnte auch jederzeit öffentlich dazu Aussagen machen! Es war also nicht notwendig, die ohnehin immer angespannten Finanzen der Weserburg noch jährlich mit € 20 004,- zu belasten, wobei gleichzeitig darüber nachgedacht wird, den Personalbestand der Weserburg zu reduzieren!

… Für alle anfallenden Aufgaben im Zuge der Vorbereitung der Baumaßnahme hat der Stiftungsrat aus Eigenmitteln der Stiftung Weserburg den sogenannten Restrukturierungsfond gebildet. Aus diesem werden alle Dienstleistungen bezahlt, die im Zusammenhang mit der Baumaßnahme und der Neustrukturierung der Weserburg anfallen….

Woraus soll denn der „Restrukturierungsfond“ finanziert werden? Alles aus den Verkäufen der Bilder (siehe oben)? Und das, wenn alleine die Sanierungsmaßnahmen und der Einbau der Klimaanlage weit über 6 Mio. kosten und zugleich auch die Weserburg schuldenfrei gehalten werden soll?

…. Ich glaube, dass alle, die an diesem Abend zugegen waren, zustimmen werden, dass wir sowohl hinsichtlich unserer finanziellen Situation und der Überlegungen bezüglich der Verschlankung unseres Hauses, als auch hinsichtlich der zukünftigen Programmstruktur…

Ach ja, aus der Verschlankung? Ich erinnere mich daran, dass Carsten Ahrens nach meinem Weggang  „die Schlagzahl der Ausstellungen erhöhen“ wollte! Wir, Hanne Zech, Martin Hentschel, Peter Friese, Guy Schraenen, Anne Thurmann-Jajes und ich, um nur die festen MitarbeiterInnen (das Team) zu nennen, hatten in den 15 aktiven Ausstellungsjahren bis 2006 ja „nur“ 179 Ausstellungen gemacht (also fast 12 pro Jahr), wovon viele zusätzlich (also nicht mitgezählt) auch an anderen Orten von Paris bis Wien, von Berlin bis Barcelona, von Kyoto bis Santiago de Compostela, von Porto bis Zagreb, von Seoul bis Berlin usw. gezeigt wurden. Dazu waren immer mehrere Sammlungen gleichzeitig im Hause zu sehen. Ich erinnere an Reinhard Onnasch, Gerhard Lenz, Dr. Klaus Lafrenz, Dr. Stober, Hartmut Ackermeyer, Vanhaerends, Barbara Dobermann, Karl Gerstner usw.

Bedeutet Verschlankung also weniger Ausstellungen, weniger aufwendige Kataloge oder aber auch weniger Platz?  Das neue Rundmuseum reduziert die Gesamtfläche auf ein Drittel der Gesamtfläche der Weserburg: Statt 10 000m2 gesamt mit ca. 6000m2 Ausstellungsfläche nur noch ca. 3000 m2 Gesamtfläche unterteilt durch Stellwände(!)? Das ist eine Ausstellungstechnik, wie sie Banken und Sparkassen verwenden oder – unter Einsatz von sehr viel Umbaukosten – das reiche Museum in Wolfsburg!

… Außerdem wurde die Leitung des Museums beauftragt, die zukünftige Programmstruktur modellhaft für beide Orte “durchzuspielen”…

Jetzt geht es ans Eingemachte, denn darauf kommt es eigentlich an! Und was finden wir hier vor? Woran arbeitet der Direktor?

… Ein zukünftiger Programmteil wird die Präsentation von neuen Sammlungen sein, die in einer im Arbeitstitel Salle blanche genannten Reihe vorgestellt werden sollen. Kern der zukünftigen Programmstruktur wird eine “Ständige Präsentation”, in der wir mit ausgewählten Werken aus den privaten Sammlungen die Bewegungen der Kunst der letzten 50 Jahre vorstellen (also beispielsweise Fluxus, Concept und Minimal Art, Pop Art, Arte Povera etc.)…

Aufregend – verzeihen Sie, liebe Leser, wenn ich hier etwas sarkastisch werde -. Das erinnert mich an einen Friedrich den Großen zugeschriebene Satz. „Vorwärts Kameraden, wir müssen zurück!“

Alles das, was Carsten Ahrens hier ankündigt, hat die Weserburg längst gemacht. Die meisten der unten angeführten Ausstellungen sind aus der Beschäftigung mit den von mir an die Weserburg geholten und gezeigten Sammlungen entstanden:

Fluxus Ausstellungen der Sammlung von Maria und Walter Schnepel; zwei Mal, einmal von mir 2002 unter dem Titel „Fluxus und Freunde“ und ein zweites Mal von C.A. im vorigen Jahr. Zahlreiche kleinere Ausstellungen von Fluxuskünstlern, die Guy Schraenen und Anne Thurmann-Jajes in Szene gesetzt hatten (von Dieter Roth bis Ben Vautier)

Concept u.a in den Ausstellungen „Vorhut aus dem Hinterland“ 1992 von der jetzt gerade der zweite von Peter Friese in Szene gesetzte Teil läuft. Dann Roman Opalka 1992 noch in der Langenstraße ausgestellt und „Lawrence Weiner – Tatsächlich“ 2000; Daniel Buren im gleichen Jahr, um nur diese zu nennen, nicht zu reden von den Beteiligungen konzeptuellen Künstler in den Ausstellungen „Kunst nach Kunst“ von Peter Friese und Amnesia von Anda Rottenberg usw.

Minimal Art. Die große von Peter Friese konzipierte Ausstellung MINIMAL MAXIMAL, die sich mit dem amerikanischen Minimalism und seinen Folgen für die zeitgenössische Kunst auseinander setzte. Die Sol LeWitt Retrospektive, die ich 1994 von Oxford nach Bremen holte und der wir sein Geschenk der OUT DOOR Sculpture verdanken und die Guy Schraenen mit einer Ausstellung seiner Bücher ergänzte.

Pop Art  Ich erinnere nur an die Ausstellung der Multiples von Claes Oldenburg, die die Weserburg 1993 von Martin Hentschel, unserem ehem. Mitarbeiter aus Frankfurt übernahm. Ansonsten trifft auf dieses Kapitel der Kunst zu, was auch für die anderen gilt: Sie waren mit guten Beispielen in den zahlreichen Sammlungen der Weserburg vertreten, z.B. in der Sammlung Onnasch.

Arte Povera 1997 zeigten wir die wunderbare und in Deutschland einmalige Sammlung Arte Povera der Sammlerin Ingvild Goetz, die anschließend – von Bremen aus – in Nürnberg, Köln, Malmö und Wien und München zu sehen war. Sie ist – erst jetzt – in Basel zu sehen.

Carsten Ahrens hat die Weserburg in „Museum für Moderne Kunst“ umbenannt. Das ist schon vom Ansatz her falsch! Die Moderne ist längst vorbei! Gerade ein Museum, das sich der Kunst der eigenen Zeit verpflichtet fühlt (z.B. in der Sammlung Olbricht, Reinking und partiell Lafrenz, alle schon zu meiner Zeit in die Weserburg gekommen!) muss genauer sein bei der Namenswahl. Nicht alles, was umgangsprachlich „irgendwie modern“ ist, gehört zur Moderne. Die Absicht der Gründung des Neuen Museums Weserburg war, die jeweils zeitgenössische Kunst mit Hilfe privater Sammlungen auszustellen und auf ihre Bedeutung und „Dauerhaftigkeit“ zu überprüfen, also  – im besten Falle – durchzusetzen. Dadurch unterschied sich die Weserburg von allen anderen Museen in Europa! Das ist uns bei vielen der gezeigten Kunstwerke gelungen. Die Weserburg hat mit dazu beigetragen, die umstrittenen Kunstwerke insofern zu „adeln“, als sie inzwischen zum festen Bestandteil der späten Moderne bzw. der Postmoderne gehören, also wirklich museumsreif geworden sind. Heute braucht man – nicht einmal in Bremen – die Kunst von Donald Judd, Sol LeWitt, Gerhard Richter, Daniel Spoerri, Penck, Gotthard Graubner, aber auch Dieter Roth, Richard Long, Mario Merz, Opalka usw. nicht mehr durchzusetzen. Sie sind längst in den Museen angekommen!

… Wir haben in den letzten Jahren das Ziel nicht offensiv verfolgt, weitere Privatsammlungen an die Weserburg zu binden, weil schon die jetzige Anzahl an Sammlungen, mit denen wir längerfristig kooperieren, nicht erlaubt, dass alle Sammlungen parallel einen Auftritt in der Weserburg haben …

Wenn die Weserburg ihren Alleinvertretungsanspruch behalten will, also unverwechselbar zu bleiben, dann muss sie nicht die Kunstkonzepte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert immer wieder ausstellen, sondern sich auf die Kunst von heute und das mit Hilfe neuer jüngerer Sammlungen konzentrieren, die um die Jahrhundertwende und im 21. Jahrhundert entstanden sind. Ja die Weserburg muss sich auch von den wunderbaren Sammlungen der Aera Deecke trennen, auch wenn’s schwer fällt! Wir haben das ja auch schon vorgemacht und uns von etlichen Sammlungen getrennt und jeweils jüngere in Haus geholt!

Sicher, heute kann man kaum noch Sammlungen sehr langfristig an die Weserburg binden. Aber es gibt ja auch andere Modelle, sie zur intensiven Diskussion und länger als nur in kurzfristigen Ausstellungen an Bremen zu binden, wie Peter Friese und ich das schon vor 2006 mit der Sammlung Volkmann, Goetz, Reinking und Olbricht gemacht haben.

… Falls die Weserburg sich entscheiden sollte, das Projekt eines Neubaus in der Überseestadt zu verfolgen, steht der jetzige Standort der GAK in dem Gebäude auf dem Teerhof eventuell zur Disposition. Wir haben in mehreren Gesprächen mit der GAK unseren Standpunkt dargelegt, dass eine eventuell notwendige Suche nach Lösungen dieses Problems erst dann sinnvoll ist, wenn die Entscheidung der Weserburg in der Standortfrage geklärt ist …

So geht man schon gar nicht mit einer Institution um, in der zum einen das Sammlermuseum zuerst angedacht worden ist (von Jürgen Waller zusammen mit dem Berliner Sammler Reinhard Onnasch) und die zum anderen vorwiegend und konsequent allerjüngste umstrittene Kunst zeigt, die dann später in der „Clearingstelle“ der Weserburg auf ihre dauerhafte Bedeutung überprüft werden kann. Schon bei der Gründung der Weserburg 1987/88 gab es Idee, die GAK einzusparen. Ich habe das damals verhindert. Bremen braucht die GAK.

… Kein Museum vertraut allein auf die Präsentation der eigenen Bestände, wenn es darum geht, Besucher anzuziehen. Dass Puristen darüber den Eindruck gewinnen, Museen würden zu Kunsthallen (nach Basler Muster) oder Kunstvereinen mutieren, ist eine bereits Jahrzehnte währende Debatte …

Das ist richtig, dem stimme ich ausdrücklich zu! Aber ist nicht die Weserburg inzwischen längst zu so etwas wie einem Bremer Kunstverein oder einer Kunsthalle (Modell Düsseldorf) geworden? Eine Ausstellung jagt die andere, selten mit Bezug zur eigentlichen Konzept eines Sammlermuseums und zu seinen Sammlungen?  Inzwischen gleicht sie den vielen anderen Museen in Deutschland, die auf lokaler Ebene „moderne Kunst“ zeigen!  Wahrlich, die Weserburg hat sich der Stadt „Bremen gegenüber geöffnet!“ Das ist durchaus verdienstvoll, aber das reicht eben nicht für eine Museum mit europäischem Anspruch, wo z.B. Ausstellungsmacherinnen, wie Maria de Corral (In vollkommener Freiheit – Picasso, Miro, de Kooning, Guston, 1997), Lynn Cooke (Terra incognita, 1998), Anda Rottenberg (Amnesia – die Gegenwart des Vergessens, 2001) aktiv waren und Jean Novelle sein Design zeigte (Die Kunst und das schöne Ding, 1995).

Um es in Abwandlung mit Gertrude Stein zu sagen: „Ein Museum ist ein Museum ist ein Museum“ und als Museum und aus dem Museum heraus sollte es dann auch Ausstellungen machen.

… Wenn der Neustart des Museums auf dem Teerhof stattfindet, gehört zu einer notwendigen Sanierung des Gebäudes auch der Einbau einer Klimatisierung. Die dicken Mauern des Gebäudes garantieren leider nicht die beste Klimatisierung. Da die Erfüllung international geltender klimatechnischer Standards zusehends zu einem immer entscheidenderen Kriterium wird, wenn es darum geht, Leihgaben für Ausstellungen zu bekommen, kommen wir nicht umhin, diesen gewachsenen Anforderungen zukünftig gerecht zu werden….

Darüber kann man diskutieren, denn leider wird dieser Unsinn immer wieder gefordert. Man fragt sich angesichts dieser dringlichen Notwendigkeiten klimatechnischer Standards allerdings, wie alle die Bilder in den nicht klimatisierten Kirchen und Klöstern Venedigs, Roms, und in Florenz, Lübeck, Paris oder Köln all die Jahrhunderte überlebt haben?

Welche Ausstellung ist Carsten Ahrens nicht möglich gemacht worden, weil die Weserburg keine Klimaanlage hat?

Die Weser ist nach alle unsern Untersuchungen und Aufzeichnungen (dank Arthur Ketnath, seeligen Angedenkens) über mehr als 15 Jahre die beste natürliche Klimaanlage, die man haben kann. Sie hält die Temperaturausschläge flach und darauf kommt es an. Hätten wir sonst die Picassos, Miros, Richter  usw. und die – im übrigen – private Sammlung der Fondation Maeght (2003) nach Bremen bekommen (das Musée de Fondation Maeght hat übrigens auch keine Klimaanlage!)

Ich mache mir Sorgen! Ich mache mir Sorgen um mein Lebenswerk, auch das muss gesagt werden. Deshalb habe ich mich nach 6 Jahren des Schweigens gemeldet. Ich bitte um Nachsicht, aber es musste sein.

Ihr Thomas Deecke