Antwort auf Carsten Ahrens

Liebe Museumsfreunde, liebe Freunde der Weserburg,

Ich mache mir Sorgen um die Weserburg! Sechs Jahre lang habe ich geschwiegen, weil ich der Meinung war, dass mein Nachfolger es schon auf seine Weise richtig machen würde. Leider hat Carsten Ahrens aber das eigentliche Konzept der Weserburg, das immer noch einzige Sammlermuseum in Europa zu führen, immer noch nicht verstanden. Die Weserburg ist inzwischen zu einem verwechselbaren, eher lokal ausgerichteten Kunstverein oder einer Kunsthalle geworden, von denen es viele in Deutschland gibt. Die Idee der Gründer – ich nenne nur Prof. Dr. Reinhard Hoffmann, den unvergessenen Dieter Opper und Eberhard Kulenkampff – war, ein unverwechselbares Museum neuen Typs mit Wirkungen nach buten un binnen neben der traditionellen Kunsthalle aufzubauen und keinen „dritten“ Kunstverein.

Um nicht missverstanden zu werden: Es geht mir nicht darum, das Modell der Gründer von 1988 ohne jede Veränderung wieder herstellen zu wollen – tempi passati – sondern darum, die Weserburg als SAMMLERMUSEUM weiter entwickelt zu sehen und den anderen, aktuelleren Konzepten heutiger Kunstsammler von zeitgenössischer Kunst angemessen sich mit der Kunst der eigene Zeit in einem Museum auseinander zu setzen.

Bremen kann sich die Weserburg nur leisten wollen, wenn sie ihre Einmaligkeit wieder erlangt und mit  „wagen un winnen“„buten un binnen“ auch über Bremen hinaus den Ruf der Kunststadt festigt.

Ich bin Carsten Ahrens deshalb dankbar, dass er sich die Mühe gemacht hat, alle seine Argumente zu Gegenwart und Zukunft des Museums Weserburg einmal ausführlich darzustellen. Das gibt mir die Gelegenheit, auf diese vielfältigen Hinweise einzugehen und meine Kritik daran zu formulieren. Um das Prozedere zu vereinfachen, zitiere ich jeweils die von mir kritisch kommentierten Absätze.

… Die Weserburg will und wird nicht erneut Werke aus ihrem Besitz verkaufen, um damit Finanzierungsprobleme zu lösen. Die Weserburg hat keine Finanzierungsprobleme. Mitarbeiter von Sotheby’s waren in der Weserburg, um bei der Taxierung von Werten einiger Kunstwerke zu helfen …

Das ist zuerst einmal erfreulich, dass keine weiteren Werke verkauft werden sollen. Nur fragt sich der Kenner, warum dann ein solche renommiertes Institut, wie Sotheby’s engagiert wird um – ja was eigentlich sonst? – die Werte der verbliebenen Kunstwerke festzustellen. Sotheby’s ist das bedeutendste Versteigerungshaus in London und New York, es bestimmt durch seine Tätigkeiten maßgeblich die Preise der Kunst auf dem Markt.

… Außerdem gibt es Überlegungen, einige Werke anderen Institutionen zur Verfügung zu stellen, in deren Sammlungskontext diese sinnvoller eingebettet wären…

Um die Kunstwerke vielleicht in andere Sammlungskonzepte einzubetten, braucht man dazu eine fachkundige Wertfeststellung? Da hätte man doch im Internet schlau machen oder auf die Versicherungswerte schauen können, die  die Kollegin Frau Lauster immer parat hat. Warum also Sotheby’s?

… Die vom Stiftungsrat der Weserburg seinerzeit getroffene Entscheidung, Werke aus der Sammlung Roselius zu veräußern und einen Großteil mit Hilfe eines Mäzens an die Kunsthalle zu transferieren, fußte auf dem grundsätzlichen Beschluss, sich auf die Gründungsidee der Weserburg als Sammlermuseum zurück zu besinnen und die eigene Sammlungstätigkeit aufzugeben.

Ich zitiere dazu aus der Präambel der Satzung der Stiftung Weserburg:

Die Stadtgemeinde Bremen möchte zusammen mit dem Kunstverein in Bremen der Öffentlichkeit wichtige Werke der zeitgenössischen Kunst in einem eigenen Museum zugänglich machen. Zu diesem Zwecke möchte die Stadtgemeinde Bremen das Gebäude „Weserburg“ als Museum errichten, in der bedeutende Kunstsammler ihre der Stiftung als Leihgaben zur Verfügung gestellten oder auch übereigneten Sammlungen oder maßgebliche Teile davon zeigen werden …

In der Satzung ist also expressis verbis davon die Rede, dass die Weserburg eine eigene Sammlung übereignet bekommen darf. Hätte es sonst einen Ankaufsetat in den ersten Jahren ihrer Existenz gegeben, wovon z.B. die „silbernen Schaukeln“ von Rebecca Horn erworben werden konnte?

Ist die Satzung inzwischen geändert worden?

… Von diesem Beschluss ausdrücklich ausgenommen wurden die Bestände des Studienzentrums für Künstlerpublikationen, bei denen es sich um über Jahre gewachsene und thematisch strukturierte umfassende Sammlungen handelt …

Ich zitiere dazu aus dem Protokoll der Mitgliederversammlung des „Forschungsverbundes Künstlerpublikationen“ vom 2.11.2012.

.. Anne Thurmann-Jajes berichtet über die aktuelle Situation des Studienzentrums für Künstlerpublikationen. Das Museum Weserburg möchte die Unterstützung des Studienzentrums Ende 2013 einstellen. Es ist geplant, das Studienzentrum ab 2014 eigenständig zu betreiben. Dazu müssen Möglichkeiten der Finanzierung und Unterbringung gefunden werden, um eine Bewahrung der Sammlung und deren Aufarbeitung zu gewährleisten.

Es besteht ein Interesse der Universität Bremen, das Studienzentrum als außeruniversitäres An-Institut anzugliedern, eine Vollfinanzierung kann jedoch nicht gewährleistet werden. Dabei wünscht die Universität eine Kooperation mit der Hochschule für Künste Bremen. Anne Thurmann-Jajes möchte das Studienzentrum als Forschungsmuseum profilieren. Wegen sinnfälliger Verbindung soll jedoch eine Verbindung zwischen dem Studienzentrum und dem Museum Weserburg erhalten bleiben. Anne Thurmann-Jajes strebt diesbezüglich Gespräche mit dem Museum Weserburg, dem Stiftungsrat des Museums, der Universität Bremen und der Hochschule für Künste an.

Guy Schraenen hatte erwartet, dass Carsten Ahrens anwesend sein wird und zu der Frage Stellung nehmen würde: Warum hat das Studienzentrum noch nicht den namhaften finanziellen Anteil aus den Verkäufen der Bilder erhalten, den Thomas Deecke bei seiner Zustimmung zu der Aktion zur Bedingung machte? (Entsprechende Brief-Kopien liegen Guy Schraenen vor).

Guy Schraenen hat das vielleicht etwas zu apodiktisch ausgedrückt. Aber soviel steht fest: Der Stiftungsrat hatte mir versprochen, Teile der Verkaufserlöse der Sammlung der Künstlerpublikationen zur Verfügung zu stellen!

Das ist bis heute nicht geschehen! Man hat mich also bewusst belogen um sich meines Schweigens zu den Verkäufen zu vergewissern! Dazu hätte ich als Mitglied der Museumsfreunde und des Forschungsverbundes gerne eine Antwort. Der Widerspruch zu der im Brief von Carsten Ahrens geäußerten Darstellung ist doch sehr offensichtlich! Eines kann nur stimmen!

… Bei den komplexen Fragestellungen, die mit den Vorhaben der Zukunft verbunden sind, versichern sich die Museumsleitung und der Stiftungsrat der Kompetenz und des Sachverstandes Dritter. Deshalb sind verschiedene Personen und Institutionen aktuell auf Honorarbasis …

Da man ja jetzt durch die Verkäufe der Sammlungen Stiftung-Ludwig-Roselius- Museum ja inzwischen genug Geld hat, kann man ja auch Verantwortung gegen  Gehalts-Zahlungen z.B. an einen ehem. Finanzstaatsrat auslagern. Man fragt sich allerdings: Wie haben das alle die 18 ersten Jahre der Weserburg (1988 – 2006) nur Hanne Zech und Thomas Deecke gemacht? Um es Ihnen zu verraten: Sie haben sich auf Rat des Stiftungsratvorsitzenden Prof. Dr. Reinhard Hoffmann der – kostenlosen – fachkundigen Mitarbeiter des Kultursenators bzw. der Staatskanzlei versichert. Ganz abgesehen davon, wusste daher die Behörde und ihre Leitung damals auch immer, wie es um die Finanzen der Weserburg stand und konnte auch jederzeit öffentlich dazu Aussagen machen! Es war also nicht notwendig, die ohnehin immer angespannten Finanzen der Weserburg noch jährlich mit € 20 004,- zu belasten, wobei gleichzeitig darüber nachgedacht wird, den Personalbestand der Weserburg zu reduzieren!

… Für alle anfallenden Aufgaben im Zuge der Vorbereitung der Baumaßnahme hat der Stiftungsrat aus Eigenmitteln der Stiftung Weserburg den sogenannten Restrukturierungsfond gebildet. Aus diesem werden alle Dienstleistungen bezahlt, die im Zusammenhang mit der Baumaßnahme und der Neustrukturierung der Weserburg anfallen….

Woraus soll denn der „Restrukturierungsfond“ finanziert werden? Alles aus den Verkäufen der Bilder (siehe oben)? Und das, wenn alleine die Sanierungsmaßnahmen und der Einbau der Klimaanlage weit über 6 Mio. kosten und zugleich auch die Weserburg schuldenfrei gehalten werden soll?

…. Ich glaube, dass alle, die an diesem Abend zugegen waren, zustimmen werden, dass wir sowohl hinsichtlich unserer finanziellen Situation und der Überlegungen bezüglich der Verschlankung unseres Hauses, als auch hinsichtlich der zukünftigen Programmstruktur…

Ach ja, aus der Verschlankung? Ich erinnere mich daran, dass Carsten Ahrens nach meinem Weggang  „die Schlagzahl der Ausstellungen erhöhen“ wollte! Wir, Hanne Zech, Martin Hentschel, Peter Friese, Guy Schraenen, Anne Thurmann-Jajes und ich, um nur die festen MitarbeiterInnen (das Team) zu nennen, hatten in den 15 aktiven Ausstellungsjahren bis 2006 ja „nur“ 179 Ausstellungen gemacht (also fast 12 pro Jahr), wovon viele zusätzlich (also nicht mitgezählt) auch an anderen Orten von Paris bis Wien, von Berlin bis Barcelona, von Kyoto bis Santiago de Compostela, von Porto bis Zagreb, von Seoul bis Berlin usw. gezeigt wurden. Dazu waren immer mehrere Sammlungen gleichzeitig im Hause zu sehen. Ich erinnere an Reinhard Onnasch, Gerhard Lenz, Dr. Klaus Lafrenz, Dr. Stober, Hartmut Ackermeyer, Vanhaerends, Barbara Dobermann, Karl Gerstner usw.

Bedeutet Verschlankung also weniger Ausstellungen, weniger aufwendige Kataloge oder aber auch weniger Platz?  Das neue Rundmuseum reduziert die Gesamtfläche auf ein Drittel der Gesamtfläche der Weserburg: Statt 10 000m2 gesamt mit ca. 6000m2 Ausstellungsfläche nur noch ca. 3000 m2 Gesamtfläche unterteilt durch Stellwände(!)? Das ist eine Ausstellungstechnik, wie sie Banken und Sparkassen verwenden oder – unter Einsatz von sehr viel Umbaukosten – das reiche Museum in Wolfsburg!

… Außerdem wurde die Leitung des Museums beauftragt, die zukünftige Programmstruktur modellhaft für beide Orte “durchzuspielen”…

Jetzt geht es ans Eingemachte, denn darauf kommt es eigentlich an! Und was finden wir hier vor? Woran arbeitet der Direktor?

… Ein zukünftiger Programmteil wird die Präsentation von neuen Sammlungen sein, die in einer im Arbeitstitel Salle blanche genannten Reihe vorgestellt werden sollen. Kern der zukünftigen Programmstruktur wird eine “Ständige Präsentation”, in der wir mit ausgewählten Werken aus den privaten Sammlungen die Bewegungen der Kunst der letzten 50 Jahre vorstellen (also beispielsweise Fluxus, Concept und Minimal Art, Pop Art, Arte Povera etc.)…

Aufregend – verzeihen Sie, liebe Leser, wenn ich hier etwas sarkastisch werde -. Das erinnert mich an einen Friedrich den Großen zugeschriebene Satz. „Vorwärts Kameraden, wir müssen zurück!“

Alles das, was Carsten Ahrens hier ankündigt, hat die Weserburg längst gemacht. Die meisten der unten angeführten Ausstellungen sind aus der Beschäftigung mit den von mir an die Weserburg geholten und gezeigten Sammlungen entstanden:

Fluxus Ausstellungen der Sammlung von Maria und Walter Schnepel; zwei Mal, einmal von mir 2002 unter dem Titel „Fluxus und Freunde“ und ein zweites Mal von C.A. im vorigen Jahr. Zahlreiche kleinere Ausstellungen von Fluxuskünstlern, die Guy Schraenen und Anne Thurmann-Jajes in Szene gesetzt hatten (von Dieter Roth bis Ben Vautier)

Concept u.a in den Ausstellungen „Vorhut aus dem Hinterland“ 1992 von der jetzt gerade der zweite von Peter Friese in Szene gesetzte Teil läuft. Dann Roman Opalka 1992 noch in der Langenstraße ausgestellt und „Lawrence Weiner – Tatsächlich“ 2000; Daniel Buren im gleichen Jahr, um nur diese zu nennen, nicht zu reden von den Beteiligungen konzeptuellen Künstler in den Ausstellungen „Kunst nach Kunst“ von Peter Friese und Amnesia von Anda Rottenberg usw.

Minimal Art. Die große von Peter Friese konzipierte Ausstellung MINIMAL MAXIMAL, die sich mit dem amerikanischen Minimalism und seinen Folgen für die zeitgenössische Kunst auseinander setzte. Die Sol LeWitt Retrospektive, die ich 1994 von Oxford nach Bremen holte und der wir sein Geschenk der OUT DOOR Sculpture verdanken und die Guy Schraenen mit einer Ausstellung seiner Bücher ergänzte.

Pop Art  Ich erinnere nur an die Ausstellung der Multiples von Claes Oldenburg, die die Weserburg 1993 von Martin Hentschel, unserem ehem. Mitarbeiter aus Frankfurt übernahm. Ansonsten trifft auf dieses Kapitel der Kunst zu, was auch für die anderen gilt: Sie waren mit guten Beispielen in den zahlreichen Sammlungen der Weserburg vertreten, z.B. in der Sammlung Onnasch.

Arte Povera 1997 zeigten wir die wunderbare und in Deutschland einmalige Sammlung Arte Povera der Sammlerin Ingvild Goetz, die anschließend – von Bremen aus – in Nürnberg, Köln, Malmö und Wien und München zu sehen war. Sie ist – erst jetzt – in Basel zu sehen.

Carsten Ahrens hat die Weserburg in „Museum für Moderne Kunst“ umbenannt. Das ist schon vom Ansatz her falsch! Die Moderne ist längst vorbei! Gerade ein Museum, das sich der Kunst der eigenen Zeit verpflichtet fühlt (z.B. in der Sammlung Olbricht, Reinking und partiell Lafrenz, alle schon zu meiner Zeit in die Weserburg gekommen!) muss genauer sein bei der Namenswahl. Nicht alles, was umgangsprachlich „irgendwie modern“ ist, gehört zur Moderne. Die Absicht der Gründung des Neuen Museums Weserburg war, die jeweils zeitgenössische Kunst mit Hilfe privater Sammlungen auszustellen und auf ihre Bedeutung und „Dauerhaftigkeit“ zu überprüfen, also  – im besten Falle – durchzusetzen. Dadurch unterschied sich die Weserburg von allen anderen Museen in Europa! Das ist uns bei vielen der gezeigten Kunstwerke gelungen. Die Weserburg hat mit dazu beigetragen, die umstrittenen Kunstwerke insofern zu „adeln“, als sie inzwischen zum festen Bestandteil der späten Moderne bzw. der Postmoderne gehören, also wirklich museumsreif geworden sind. Heute braucht man – nicht einmal in Bremen – die Kunst von Donald Judd, Sol LeWitt, Gerhard Richter, Daniel Spoerri, Penck, Gotthard Graubner, aber auch Dieter Roth, Richard Long, Mario Merz, Opalka usw. nicht mehr durchzusetzen. Sie sind längst in den Museen angekommen!

… Wir haben in den letzten Jahren das Ziel nicht offensiv verfolgt, weitere Privatsammlungen an die Weserburg zu binden, weil schon die jetzige Anzahl an Sammlungen, mit denen wir längerfristig kooperieren, nicht erlaubt, dass alle Sammlungen parallel einen Auftritt in der Weserburg haben …

Wenn die Weserburg ihren Alleinvertretungsanspruch behalten will, also unverwechselbar zu bleiben, dann muss sie nicht die Kunstkonzepte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert immer wieder ausstellen, sondern sich auf die Kunst von heute und das mit Hilfe neuer jüngerer Sammlungen konzentrieren, die um die Jahrhundertwende und im 21. Jahrhundert entstanden sind. Ja die Weserburg muss sich auch von den wunderbaren Sammlungen der Aera Deecke trennen, auch wenn’s schwer fällt! Wir haben das ja auch schon vorgemacht und uns von etlichen Sammlungen getrennt und jeweils jüngere in Haus geholt!

Sicher, heute kann man kaum noch Sammlungen sehr langfristig an die Weserburg binden. Aber es gibt ja auch andere Modelle, sie zur intensiven Diskussion und länger als nur in kurzfristigen Ausstellungen an Bremen zu binden, wie Peter Friese und ich das schon vor 2006 mit der Sammlung Volkmann, Goetz, Reinking und Olbricht gemacht haben.

… Falls die Weserburg sich entscheiden sollte, das Projekt eines Neubaus in der Überseestadt zu verfolgen, steht der jetzige Standort der GAK in dem Gebäude auf dem Teerhof eventuell zur Disposition. Wir haben in mehreren Gesprächen mit der GAK unseren Standpunkt dargelegt, dass eine eventuell notwendige Suche nach Lösungen dieses Problems erst dann sinnvoll ist, wenn die Entscheidung der Weserburg in der Standortfrage geklärt ist …

So geht man schon gar nicht mit einer Institution um, in der zum einen das Sammlermuseum zuerst angedacht worden ist (von Jürgen Waller zusammen mit dem Berliner Sammler Reinhard Onnasch) und die zum anderen vorwiegend und konsequent allerjüngste umstrittene Kunst zeigt, die dann später in der „Clearingstelle“ der Weserburg auf ihre dauerhafte Bedeutung überprüft werden kann. Schon bei der Gründung der Weserburg 1987/88 gab es Idee, die GAK einzusparen. Ich habe das damals verhindert. Bremen braucht die GAK.

… Kein Museum vertraut allein auf die Präsentation der eigenen Bestände, wenn es darum geht, Besucher anzuziehen. Dass Puristen darüber den Eindruck gewinnen, Museen würden zu Kunsthallen (nach Basler Muster) oder Kunstvereinen mutieren, ist eine bereits Jahrzehnte währende Debatte …

Das ist richtig, dem stimme ich ausdrücklich zu! Aber ist nicht die Weserburg inzwischen längst zu so etwas wie einem Bremer Kunstverein oder einer Kunsthalle (Modell Düsseldorf) geworden? Eine Ausstellung jagt die andere, selten mit Bezug zur eigentlichen Konzept eines Sammlermuseums und zu seinen Sammlungen?  Inzwischen gleicht sie den vielen anderen Museen in Deutschland, die auf lokaler Ebene „moderne Kunst“ zeigen!  Wahrlich, die Weserburg hat sich der Stadt „Bremen gegenüber geöffnet!“ Das ist durchaus verdienstvoll, aber das reicht eben nicht für eine Museum mit europäischem Anspruch, wo z.B. Ausstellungsmacherinnen, wie Maria de Corral (In vollkommener Freiheit – Picasso, Miro, de Kooning, Guston, 1997), Lynn Cooke (Terra incognita, 1998), Anda Rottenberg (Amnesia – die Gegenwart des Vergessens, 2001) aktiv waren und Jean Novelle sein Design zeigte (Die Kunst und das schöne Ding, 1995).

Um es in Abwandlung mit Gertrude Stein zu sagen: „Ein Museum ist ein Museum ist ein Museum“ und als Museum und aus dem Museum heraus sollte es dann auch Ausstellungen machen.

… Wenn der Neustart des Museums auf dem Teerhof stattfindet, gehört zu einer notwendigen Sanierung des Gebäudes auch der Einbau einer Klimatisierung. Die dicken Mauern des Gebäudes garantieren leider nicht die beste Klimatisierung. Da die Erfüllung international geltender klimatechnischer Standards zusehends zu einem immer entscheidenderen Kriterium wird, wenn es darum geht, Leihgaben für Ausstellungen zu bekommen, kommen wir nicht umhin, diesen gewachsenen Anforderungen zukünftig gerecht zu werden….

Darüber kann man diskutieren, denn leider wird dieser Unsinn immer wieder gefordert. Man fragt sich angesichts dieser dringlichen Notwendigkeiten klimatechnischer Standards allerdings, wie alle die Bilder in den nicht klimatisierten Kirchen und Klöstern Venedigs, Roms, und in Florenz, Lübeck, Paris oder Köln all die Jahrhunderte überlebt haben?

Welche Ausstellung ist Carsten Ahrens nicht möglich gemacht worden, weil die Weserburg keine Klimaanlage hat?

Die Weser ist nach alle unsern Untersuchungen und Aufzeichnungen (dank Arthur Ketnath, seeligen Angedenkens) über mehr als 15 Jahre die beste natürliche Klimaanlage, die man haben kann. Sie hält die Temperaturausschläge flach und darauf kommt es an. Hätten wir sonst die Picassos, Miros, Richter  usw. und die – im übrigen – private Sammlung der Fondation Maeght (2003) nach Bremen bekommen (das Musée de Fondation Maeght hat übrigens auch keine Klimaanlage!)

Ich mache mir Sorgen! Ich mache mir Sorgen um mein Lebenswerk, auch das muss gesagt werden. Deshalb habe ich mich nach 6 Jahren des Schweigens gemeldet. Ich bitte um Nachsicht, aber es musste sein.

Ihr Thomas Deecke